Der Festumzug zum Kirschfest 2011
Susanne Kröner, Stadtarchiv Naumburg
Der große Festumzug zum Naumburger Kirschfest hat inzwischen einen festen Platz im Zeitplan des Naumburger Stadtfestes. Er zeigt in einer fröhlichen bunten Bildfolge Momente aus der Geschichte der Stadt, Persönlichkeiten und Ereignisse von stadtgeschichtlicher Bedeutung und schlägt auch die Brücke in die Gegenwart mit den Darstellungen der Schulen, Vereine und Ortsteile. Die Bilder stellen die Stadt Naumburg in ihren verschiedenen Lebensbereichen vor.

Dem Umzug voran geht – wie in jedem Jahr – der Fahnenschwenker, er eröffnet den fröhlichen Zug und stimmt ein auf die zahlreichen Bilder aus Naumburgs Geschichte und Gegenwart, Stadt und Dörfer, Jung und Alt. Kunstvoll wirbelt er die schwere Stadtfahne durch die Luft und wird von den zahlreichen Zuschauern mit dankbarem Applaus bedacht.

Thema 1: Ratsstadt

Bild 1: Stadtwache

Die Stadtwache eröffnet die historischen Bilder. Dem Stadthauptmann folgen die Stadtsoldaten mit dem Trommler, die zum Schutz der Stadt und ihrer Bürger ausziehen. Ihre Hauptaufgabe war es, die Stadttore zu sichern, Ankommende zu überprüfen, die Tore morgens auf- und abends wieder zu verschließen. In Kriegs- wie auch Friedenszeiten wachten sie so über die Zugänge zur Stadt. Gleichzeitig waren sie bereit, die Stadt gegen Angreifer zu verteidigen.

Bild 2: Der Naumburger Stadtrat

Nach der Stadtwache zieht der Naumburger Stadtrat mit seinen Vertretern durch die Straßen und präsentiert sich den Bürgern in prächtigen Roben. Angeführt wird der Zug vom Bürgermeister und den Ratsherren, ihnen folgen die Ratsbedienstete wie der Kämmerer, der Stadtschreiber, dem Marktmeister oder die Ratsknechte. So kann man sich vorstellen, wie der neu gewählten Rat jährlich nach seiner Wahl in die Wenzelskirche zog, um sich hier den Bürgern zu präsentieren, um den Ratseid zu sprechen und dem Landesherren zu huldigen.

Thema 2: Hussitenstadt
Schon als zweites Thema folgt die Darstellung der Kirschfestsage, die der eigentliche Mittelpunkt unseres Stadtfestes und auch des Umzuges ist.

Bild 3: Kirschen schenkte er den Kleinen

Die sagenhafte Belagerung der Stadt durch die Hussiten unter ihren Heerführer Prokop soll sich 1432 zugetragen haben. Sie dauerte so lange, dass die Not innerhalb der Stadtmauern ins unermessliche stieg und die Lage für die Bewohner hoffnungslos wurde. In dieser Situation zog der Lehrer von der Schul mit den Kindern, die in weiße Sterbehemdchen gekleidet waren, vor die Tore der Stadt und es gelang durch die Fürbitte der Kinder Prokop milde zu stimmen. Er verschonte die Stadt, schenkte den Kindern Kirschen und zog dann mit seinem Heer ab. Als erstes ziehen also die Hussiten auf. Angekündigt vom Herold erscheint Prokop mit seinen Männern und anderen Angehörigen des Hussitenlagers. Neben den Soldaten gehört allerlei fahrendes Volk zum Heereslager, so auch eine Marketenderei. Die Kirschenverteiler schwärmen in alle Richtungen aus und geben, wie damals im Heereslager, den Kindern am Straßenrand Kirschen.

Bild 4: .... und der Lehrer von der Schul

... und die Kinder Naumburgs sind die eigentlichen Hauptpersonen des Festes und des Umzuges. Mädchen in weißen Kleidern und Jungen, mit Lanzen bewaffnet, tanzen freudig durch die Stadt. Sie haben soeben durch ihre Fürbitte Prokop gerührt und so die Stadt gerettet.

Bild 5: ... und zu Ehren des Mirakel ...

Historischer Kirschfestverein - Referendarzelt
Hier stellt sich der Kirschfestverein den Naumburger Bürgern vor. Unmittelbar nach der Wende im Jahr 1990 hat sich der Verein wieder gegründet, um die alten Traditionen um das Kirschfest wiederzubeleben. Dazu gehört vor allem die Gestaltung der Vogelwiese mit Festzelten und Programmen für die ganze Familie. Die Mitglieder des Vereins erinnern an die Traditionen dieses alten Festes. Im 19. Jahrhundert feierte man schon in Zelten auf der Vogelwiese das Kirschfest und dabei ragte besonders das Referendarzelt an Aktivitäten heraus. Fantasievoll wurde das Zelt jährlich neu gestaltet und zahlreich waren die Gedichte und Lieder, die hier entstanden. Auch das Naumburger Kirschfestlied hat hier seinen Ursprung. In dieser Tradition sieht sich der Historische Kirschfestverein.

Thema 3: Domstadt

Bild 6: Der Dom, die Stifter und der Naumburger Meister

Der Domplatz war über Jahrhunderte der Bischofssitz und damit Mittelpunkt der Stadt. Die Baugeschichte des Naumburger Domes steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der großen Landesausstellung Sachsen-Anhalt 2011 „Der Naumburger Meister – Bildhauer und Architekt“. Am Naumburger Dom wurde über Jahrhunderte gebaut. Am bekanntesten wurde der wenn auch namenlose Baumeister des Westchores, der Naumburger Meister. Er war der Schöpfer des Raumes des Westchores, des Westlettners, der Stifterfiguren und so wunderbarer Kleinigkeiten, wie zahlreichen Kapitellen mit Pflanzenmotiven oder Tieren. Natürlich dürfen wir ihn nicht als einzelne Person sehen, er war umgeben von einer mittelalterlichen Dombauhütte und dazu gehörten neben Steinmetzen auch Zimmerleute, Maurer, Schmiede, Glasfensterbauer, deren Gesellen und Familien. Man wirkte miteinander, jeder hatte seine Aufgabe im Baugeschehen. In Stein gehauen finden wir im Dom die Stifter, durch deren Stiftungen es überhaupt erst möglich war, eine Kirche zu errichte, die einer Bischofsstadt angemessen war. Eng ist mit ihnen die Gründungsgeschichte der Stadt Naumburg verbunden. Der Naumburger Meister schuf zwei Jahrhunderte später ihre Standbilder im Westchor des Domes. Er hat jeder Figur eine Geschichte gegeben, ein Gesicht und ein menschliches Schicksal. Heute in unserem Festumzug sind sie lebendig geworden, allen voran schreiten die beiden Markgrafen Ekkehard und Hermann mit ihren Gemahlinnen Uta und Reglindis.

Bild 7: Die Bischofsstadt

Noch vor der Bürgerstadt entstand im Schutze des Domes die Bischofsstadt. Seit den Anfängen der Stadtgeschichte hat Naumburg unter der Herrschaft der Bischöfe gestanden. Diese waren darauf bedacht, den Wohlstand der Stadt zufördern, jedoch das Unabhängigkeitsstreben der Bewohner nicht zu sehr zu stärken. Die Bewohner der Bischofsstadt werden vom Bischof, den Domherren mit ihrem Gefolge und ihren Bediensteten repräsentiert.

Bild 8: Klösterliches Leben

Zu einer Bischofsstadt gehörten immer auch Klöster und so lebten Mönche und Nonnen vor den Toren Naumburgs in unmittelbarer Nähe zum Bischofssitz in den beiden Klöstern St. Georg und St. Moritz. Hier erscheint der Abt des Georgenklosters mit seinen Mönchen und die Äbtissin des Moritzklosters mit ihren Nonnen aus der Zeit vor der Reformation.

Thema 4: Bürgerstadt


Bild 9: Städtische Gerichtsbarkeit

Die hohe Gerichtsbarkeit lag in der Hand des Bischofs, Teile der niederen Gerichtsbarkeit gingen in der Ratsstadt an den Stadtrat und den von ihm eingesetzten Richter über. Zur Gerichtsbarkeit gehören neben Richter und Schöffen auch der Gerichtsvogt und seine Knechte. Diese führten die Delinquenten vor den Richter und übergaben diese bei schwerer Schuld an den Henker. Der Richter konnte eine Vielzahl an Strafen aussprechen, die von einfachen Ermahnungen über Pranger, Acht, Bann, Gefängnis bis zu verschiedenen Hinrichtungsarten reichten. Zu jeder im Mittelalter verhängten Strafe gehören auch die Schaulustigen, die mit Hohn und Spott nicht sparten.

Bild 10: Bürgerschützen

Das Priviligierte Bürgerschützencorps Naumburg e.V. kann auf eine 650jährige Tradition zurück blicken. Schon in den ersten Rechnungsbüchern der Stadt sind Ausgaben für die Schützen verzeichnet, auch wird schon bald die Bezeichnung Schützenmeister eingeführt. Die Bürgerschützen waren sich bewusst, wie wichtig ihre Aufgabe war, die Stadt vor Feinden zu schützen und die Handelswege für die Messebesucher von Gefahren frei zu halten. Sie übten ihre Fähigkeiten beim Vogelschießen und jährlich wurde ein Schützenkönig aus ihren Reihen ermittelt. Diese Tradition lebt noch heute fort.

Bild 11: Leben in den kleinen Gassen

In den kleinen Gassen abseits der großen Handelsstraßen lebten die einfachen Leute, einfache Handwerker und Händler. In den Gassen pulsierte das Leben, Kinder spielten auf der Straße. Kleine Läden versorgten die Bewohner mit dem Lebensnotwendigen. Vor den Toren war der Waschplatz für die Wäscherinnen und das Wasser für die Häuser wurde am Brunnen geholt. Und dabei war immer Zeit für einen Spaß oder einen Schwatz.

Bild 12: Naumburger Bürger

Im Mittelalter waren die Bürger die freien Bewohner einer Stadt. In ihrer schützenden Mauer lebten die wohlhabenden Bürger, Handwerker und Kaufleute mit ihren Frauen, Kindern und dem Gesinde. Zunächst war das Bürgerrecht auf wenige, wohlhabende Familien beschränkt. Nur ein Bürger war berechtigt, als Mitglied einer Innung sein Handwerk auszuüben oder in den Stadtrat gewählt zu werden. Voraussetzung für den Erwerb des Bürgerrechts war u.a. der Besitz eines Hauses und die Entrichtung des Bürgergeldes. Natürlich hatten Bürger auch Pflichten, sie mussten bereit sein, die Stadt zu verteidigen oder bei Stadtbränden mit zu helfen oder sich für die Armen der Stadt einzusetzen.

Bild 13: Naumburger Bürgerverein

Heute und vor 190 Jahren Vor 190 Jahren gründete sich in Naumburg ein Bürgerverein, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, das gesellige Leben in der Stadt zu pflegen. Zahlreich waren die Konzerte, Bälle, Ausflüge und Veranstaltungen, die unter seiner Schirmherrschaft durchgeführt wurden. An diese Tradition will der im Jahre 2005 gegründete Bürgerverein anknüpfen. Seine Ziele sind neben der Pflege der Geselligkeit auch die Unterstützung von Projekten im kulturellen Bereich oder von Schulen sowie die Übernahme von sozialen Aufgaben. So gehört für die Mitglieder auch die Mitgestaltung des Kirschfestes dazu.

Thema 5: Handelsstadt


Bild 14: Peter-Pauls-Messe

Farbenprächtig ging es einst in den Jahrhunderten zu den alljährlich stattfindenden Messen, besonders der Peter-Pauls-Messe, zu. Dabei kamen Messebesucher aus allen Teilen Europas hierher nach Naumburg. Neben Waid, einer Pflanze zum Färben von Stoffen, wurden Gewürze, Wein und Bier, Stoffe, Baumwolle und zahlreiche andere Produkte gehandelt. Doch genau wie die Kaufleute und Fernhändler zur Messe in der Stadt weilten und der Marktmeister die Stände zuteilte, waren auch Gaukler, Dirnen, Possenreißer, Vaganten und fahrendes Volk anzutreffen. War doch die Messe auch für sie die Möglichkeit, Geld zu verdienen.

Bild 15: Auf Leben und Tod

Die Pest, der schwarze Tod, grassierte in ganz Europa und machte auch vor Naumburg nicht halt. Während die Flagellanten, begleitet vom Priester, nur noch die Toten begraben können, versuchten der Arzt und der Apotheker den Kampf gegen die Krankheit, aber auch gegen Aberglaube und Unwissenheit zu gewinnen. Eine wichtige Rolle im Kampf gegen Krankheiten spielten auch die Kräuterfrauen.

Bild 16: Städtisches Handwerk

Die Innungen erhielten vom Bischof ihr Privileg zur Ausübung ihres Handwerks. Die Handwerker der Stadt waren für die Versorgung der Bürger mit zahlreichen Produkten zuständig. Sie schlossen sich schon frühzeitig zu Innungen zusammen, allerdings konnten nur Bürger ihr Handwerk in der Bürgerstadt ausüben. Zu den Handwerkern gehörten Böttcher, Seiler, Bäcker, Fleischer, Maurer, Schmiede, Kamm- und Bürstenmacher. Aber auch Weber, Färber, Gerber, Schuhmacher, Zimmerer, Drucker und Schneider. Die Innungen hatten innerhalb der Stadt neben politischen Funktionen auch fürsorgliche Aufgaben gegenüber ihren Mitgliedern. Sie waren für den Schutz der Stadt mitverantwortlich.

Bild 17: Als die Not nun stieg zum Gipfel ...“

Nach dem 1. Weltkrieg kam es in ganz Deutschland zu großen wirtschaftlichen Problemen, selbst das Kleingeld wurde durch den Metallmangel knapp. In dieser Zeit ließ der Magistrat das Ersatzgeld auf Papier drucken. 1920 und 1921 wurde es herausgegeben. Es trägt die von Prof. Walter Hege gestalteten Scherenschnitte mit der Darstellung der Kirschfestsage. Das so gestaltete Notgeld fand auch bald das Interesse der Sammler und war für die Stadt ein großer wirtschaftlicher Erfolg. Auch machte es unser Stadtfest weit über die Grenzen hinaus bekannt.

Bild 18: Der Weinbau

Der Weinbau war ein wichtiger Faktor in der Wirtschaft und dem gesellschaftlichen Leben der Stadt, viele Bürger hatten vor den Toren der Stadt und am anderen Saaleufer einen Weinberg. Naumburg war und ist von Weinbergen umschlossen. Diese Bedeutung hat der Weinbau auch heute nicht für die Stadt verloren und zahlreiche Gäste kommen zu uns, da hier ein Zentrum des Saale-Unstrut-Weinbau-Gebietes ist.

Thema 6: Kultur- und Sportstadt


Bild 19: Lepsius am Nil
Im letzten Winter konnten wir den 200. Geburtstag von Richard Lepsius begehen. Er ist wohl der bedeutendste Sohn unserer Stadt. Lepsius gilt als Begründer der Ägyptologie in Deutschland und als Schöpfer des Ägyptischen Museums in Berlin. Von 1842 bis 1846 leitete er eine wissenschaftliche Expedition nach Ägypten, an der auch drei weitere Naumburger teilnahmen: der Gipsformer Carl Franke und die Maler Max und Ernst Weidenbach. Diese Expedition und ihre Ergebnisse begründeten den Ruhm Richard Lepsius und mit dem Bild „Lepsius am Nil“ soll der Bogen vom kleinen Naumburg in die ferne Welt der Pyramiden, Tempel und Grabkammern gespannt werden.

Bild 20: Bach in Naumburg

Mit dem Orgelbaumeister Zacharias Hildebrandt hatten die Bürger der Stadt einen bekannten Vertreter seiner Zunft beauftragt, in ihrer großen Stadtkirche eine neue Orgel zu bauen. Ein Werk, dass über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt werden sollte. Im Jahr 1746 wird die Orgel in der St. Wenzelskirche fertiggestellt. Johann Sebastian Bach und Gottfried Silbermann führten im Auftrag des Rates die Prüfung des Instruments durch und lobten das Werk. Auch später blieb Bach der Stadt Naumburg verbunden, sein Schwiegersohn Altnikol wirkte als Kantor an der Wenzelskirche.

Bild 21: Theater Naumburg

Im nahen Rehehausen gründete 1933 Carl Naumann ein Marionettentheater, das 1958 nach Naumburg umzog und von der Stadt Naumburg übernommen wurde. Seither hat es sich zu einem professionellen Theater entwickelt, das weit mehr als ein klassisches Puppentheater ist. Es ist Schaubühne, Schauspiel, Kabarett, Konzertbühne oder Lesesaal. Das neue junge Ensemble will mit seinen Aufführungen auch hinaus gehen aus den engen Räumen am Salztor und sich im bunten Treiben der Stadt einbringen. Beispielhaft dafür nimmt es am Festumzug zu unserem Stadtfest teil.

Bild 22: Kulturelles Leben – Vereine in Naumburg

Im 19. Jahrhundert kam es zur Gründung einer Vielzahl von Chören und Vereinen, die es sich zur Aufgabe machten, die Kultur in der Stadt zu fördern und sich mit Geschichte der Stadt auseinander zusetzen. Ein wichtiges gemeinsames Ziel war auch die Pflege der Geselligkeit. Besonders bekannt wurden die Naumburger Chöre, die auf diese lange Tradition zurück blicken können. Jung ist dagegen das Eulauer Hoftheater, aber inzwischen fest verwurzelt im kulturellen Leben Naumburgs.

Bild 23: Naumburg Fit und Munter - Naumburger Sportvereine

Zahlreiche Sportvereine entstanden im 19. und 20. Jahrhundert in Naumburg: Turnvereine, Fußballvereine, Radsportler-, Kanu- und Wassersportvereine, um nur einige wenige zu nennen. Zum bunten Bild der Sportvereine gehört ein Tanzclub genau so wie eine Kampfsportgemeinschaft. Beliebt bei Groß und Klein auch der Pferdesportclub. Naumburg wurde später ein Zentrum der Geher. Aber auch bekannte Rollschuhläufer kamen aus der Stadt. Neu gegründet hat sich der Verein der Oldtimerfreunde, die mit ihren Fahrzeugen nicht nur die Männer begeistern

Thema 7: Schulstadt


Bild 24: Historische Domschule Naumburg

Die Domschule ist die älteste Schule der Stadt. Zwar ist ihr Gründungsdatum nicht bezeugt, aber man muss mit Recht annehmen, dass sie so alt ist wie der Bischofssitz. Zu einem Domkapitel gehörte damals überall in Deutschland eine Domschule. Zu ihrer ursprünglichen Aufgabe gehörte es, Nachwuchs für die Kurrende, die im Gottesdienst eine wichtige Funktion hatte, heranzubilden. Die Schule existierte über Jahrhunderte bis 1950 und war so mit der Naumburger Stadtgeschichte eng verbunden.

Bild 25: Naumburger Kinder

Besonders für die Naumburger Grundschulen ist das Kirschfest ein Höhepunkt im Jahr. So findet immer am Freitag ein Kinderfest auf der Vogelwiese und dem Marktplatz statt. Auch der Festumzug wird von den Kindern mitgestaltet. Erstmalig nimmt in diesem Jahr der Kindergarten Arche Noah am Umzug teil. Anlass dafür ist sein 20jähriges Bestehen. Einer Grundschule fällt es zu, das Bild vom Lehrer von der Schul’ darzustellen. Diese Aufgabe wechselt jährlich. Die Schullandschaft Naumburgs hat sich gewandelt, deutlich zu erkennen an den Namen und an den Trägern der Schulen: Salztorschule, Georgenschule, Utaschule oder Montessori-Schule. Jede Schule hat ein eigenes Profil. Hier zeigen sich Schüler und Lehrer gemeinsam und repräsentieren ihre Schulen mit der jeweiligen Geschichte, mit Arbeitsgemeinschaften oder besonderen Leistungen.

Bild 26: Naumburger Schulen – bunt wie das Leben

Die Schullandschaft Naumburgs hat sich gewandelt. Jede Schule hat ein eigenes Profil und eine eigene Geschichte. Hier zeigen sich Schüler und Lehrer gemeinsam und repräsentieren ihre Schule der jeweiligen Geschichte, Arbeitsgemeinschaften und besonderen Leistungen.

Thema 8: Krieg und Frieden


Bild 27: Sächsischer Bruderkrieg

Mehrfach war Naumburg während des Sächsischen Bruderkrieges (1446 bis 1451), in dem es um Erbstreitigkeiten der Söhne Friedrichs des Streitbaren ging, von Kriegshandlungen betroffen. 1450 wurde die Stadt belagert, vermutlich geht auf dieses Ereignis der Ursprung der Naumburger Kirschfestsage zurück. Hier in der Stadt wurden 1451 auch die Verhandlungen geführt, um den Frieden wieder herzustellen. Bekannt über die Stadtgrenzen hinaus wurde deshalb der Fürstentag, an dem zahlreiche Fürsten mit ihrem Gefolge und ihren Soldaten in der Stadt weilten.

Bild 28: Dreißigjähriger Krieg

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Naumburg schwer heimgesucht. Einquartierungen und Kontributionszahlungen mussten geleistet werden und Plünderungen erfolgten durch alle Kriegsparteien. Die Stadt musste immer wieder Soldaten stellen und Pferde an die Armeen abgeben. Die Stadt war bei Kriegsende völlig verarmt und die Einwohnerzahl um die Hälfte gesunken. 1632 hatte sich der schwedische König Gustav Adolf mit seinen Truppen hier einquartiert. Von hier aus zog er in die Schlacht von Lützow, wo er tödlich verwundet wurde. Sein Page Adolf von Leubelfing fand in dieser Schlacht ebenfalls den Tod, er liegt in der Naumburger Wenzelskirche begraben.

Bild 29: Napoleonischer Krieg

Die Napoleonischen Kriege brachten Naumburg direkt mit dem Krieggeschehen in Berührung. Mehrfach zogen französische und preußische Truppen durch die Stadt und plünderten erbarmungslos. 1806 weilte der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Königin Luise in Naumburg, 1806 und 1813 Napoleon. Auch die Lützower Reiter kamen in die Stadt. Nach der Schlacht von Jena-Auerstedt im Jahr 1806 wurde das gesamte Stadtgebiet zum Lazarett, überall wurden Verwundete versorgt. Im Jahr 1809 versuchte Friedrich Staps, der Sohn eines Naumburger Pfarrers, in Wien Napoleon mit einem Messer zu töten. Napoleon war ohne Gnade, er ließ den 17jährigen Attentäter hinrichten. Das Messer soll Napoleon wie zur Warnung noch bis zu seinem Tod auf St. Helena besessen haben.

Bild 30: Naumburg wird preußisch

Am Ende der Napoleonischen Kriege im Jahr 1815 fällt ein Teil der sächsischen Gebiete und damit auch Naumburg an Preußen. In den Geschichtsbüchern heißt es lakonisch: „Der preußische Adler wird an das Stadttor geschlagen.“ Naumburg wird Standort des Königlich-Preußischen Oberlandesgerichts für den Regierungsbezirk Merseburg. Damit beginnt Naumburgs Zeit als Beamten- und Juristenstadt. Gern lebten die Gerichtsräte und Amtsrichter mit ihren Familien in der beschaulichen Stadt und freundeten sich mit den Familien der Naumburger Stadträte an.
Thema 9: Vor den Toren der Stadt

Bild 31: Heilbad Bad Kösen

Bad Kösen und Naumburg sind seit Jahresbeginn 2010 eine Einheit. In die wechselvolle Kösener Geschichte gehört das Kloster Pforte mit seinen Bauten an der Saale, die Flößer, die das Holz aus dem Thüringer Wald brachten, der Weinbau, die Saline, der Kurbetrieb mit seinen Einrichtungen und zahlreiche Gästen. Mit diesem Bild soll besonders die große Geschichte Bad Kösens als Heilbad dargestellt werden. Zur wirtschaftlichen Seite Bad Kösens gehört seit fast 100 Jahren auch die Käthe-Kruse-Werkstätte mit ihren berühmten Puppen.

Bild 32: Versorgung der Städter

Märkte der verschiedensten Art prägten von alters her das Leben der Bürger in der Stadt. Zu den wöchentlichen Obst- und Gemüsemärkten kamen die Bauern der umliegenden Dörfer mit ihren Wagen und die Dienstmädchen und Hausfrauen eilten von Stand zu Stand, um sich mit frischen Nahrungsmitteln, mit Pflanzen, Eiern und Blumen zu versorgen. Aber es gab auch separate Vieh-, Tauben- oder auch Topfmärkte. Noch heute ziehen die Taubenmärkte, die aus dieser Tradition erwachsen sind, im Januar und Februar zahlreiche Gäste an.

Bild 33: Naumburger Ortsteile

In den letzten Jahren ist Naumburg durch Eingemeindungen größer geworden. Diese Dörfer der Umgebung gehören jetzt zur Stadt: Grochlitz 1905, Schellsitz und Almrich 1950, Wettaburg, Beuditz und Meyen 1991, Flemmingen, Neidschütz, Boblas, Eulau Kleinjena, Großjena, Großwilsdorf und Rossbach seit 1994. In diesem Bild präsentieren sich die einzelnen Gemeinden als ein Höhepunkt des Umzuges. So sehen wir die Flemminger Pfingstburschen und den Verein der Fähre Schellsitz. 2010 kamen weitere Ortsteile hinzu unter anderem Bad Kösen, Crölpa-Löbschütz, Janisroda, Fränkenau, Freiroda, Hassenhausen und Prießnitz.